Von der versagenden Sprache zum verklanglichten Bild – Mechthild von Magdeburgs tönende figurata locutio

Johannes Leopold Mayer

Abstract



Wie ist etwas so Nichterwartetes begreifbar zu machen, um es der Reflexion gemäß
den Forderungen der Vernunft zugänglich zu machen? Vor diese Frage sieht sich
die Mystikerin Mechthild von Magdeburg (1207–1292) gestellt, wenn sie sich der
Aufgabe widmet, Möglichkeit und Wahrheitsgehalt des Erlebnisses einer Unio mystica mit Gott zu überprüfen. Dieses Erlebnis und
dessen formal strenge Analyse führen die um Begriffe Bemühte daher immer wieder
vom wörtlich Sagbaren weg, Erfahrenes und Reflektiertes offenbart sich in
Bildern. Diese aber bringen am Ende des analytischen Geschehens oftmals nichts
Sichtbares zur Anschauung, sondern unter Bezugnahme auf musikalische Phänomene
Hörbares zur Anhörung. Diese verklanglichten Bilder ermöglichen einerseits eine
nachhörbare Zusammenfassung des Erlebniseindruckes, andererseits aber auch –
gemäß den Möglichkeiten der auf Augustinus zurückgehenden Musikauffassung – eine
vernunftgemäße Erörterung der Angemessenheit und eine unendliche Ausdehnung des
Erlebnisses, da die Musik im Gegensatz zum optischen Bild die Dimension der
Erstreckung kennt.

Keywords


philosophy; 20th century philosophy; Wittgenstein Ludwig; philosophy of the middle ages; mystic; picture; sound; music; philosophy

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