Ian Hacking über die Sprachabhängigkeit von Handlungen und das „Erfinden“ von Leuten

Rico Hauswald

Abstract



Ian Hacking hat argumentiert, zwischen den Humanwissenschaften und ihrem
Forschungsgegenstand sei ein spezifisches Wechselspiel (er spricht von
„Loopingeffekten“) zu beobachten, das zur Folge hat, dass dieser
Forschungsgegenstand nicht nur beschrieben, sondern fortwährend verändert wird:
wenn den Menschen (den „Forschungsobjekten“) neue sie betreffende
wissenschaftliche Beschreibungen, Theorien, Klassifikationen usw. bewusst
werden, so besteht die Möglichkeit, dass sie sich unter deren Einfluss
verändern. Auf diesem Wege könnten ganz neue Personentypen („kinds of people“)
erschaffen, „erfunden“ werden. Hacking stützt diese Behauptung auf ein
handlungstheoretisches Argument, dem zufolge die Möglichkeit der Ausbildung
eines bestimmten intentionalen Zustands davon abhängt, dass das Handlungssubjekt
selbst über einen diesem Zustand entsprechenden Begriff verfügen müsse. Dieser
Beitrag rekapituliert nun diese Argumentation und die an ihr geübte Kritik und
verortet sie in einem größeren philosophischen Diskussionskontext. Ferner wird
die Frage erörtert, welchen Personenbegriff Hacking eigentlich verwendet, wenn
er von einem „Erfinden“ von Leuten („making up people“) durch
Humanwissenschaften spricht.

Keywords


philosophy; 20th century philosophy; Wittgenstein Ludwig; human kind; looping effect; making up people; action; intention; language dependence; description

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