„In unserer Sprache ist eine ganze Mythologie niedergelegt“. Bemerkungen zur Ethik Ludwig Wittgensteins

Thomas Wachtendorf

Abstract



In den Bemerkungen über Frazers Golden Bough schreibt
Wittgenstein “In unserer Sprache ist eine ganze Mythologie
niedergelegt.” Was für eine Art von Mythologie ist hier gemeint? Eine
Antwort auf diese Frage gibt die Interpretation der Spätschrift Über Gewißheit, in
der sich Wittgenstein mit dem erkenntnistheoretischen Status von Sätzen beschäftigt.
Er entwickelt eine Klassifikation, nach der es einerseits empirisch-informative Sätze
über die Welt und andererseits grammatische Sätze gibt, die die Verwendung der
Sprache erläutern. Letztere sollen in Gänze zur Mythologie gehören, wohingegen von
den Sätzen über die Welt nur die noch nicht auf ihren Wahrheitsgehalt hin geprüften
dort zu verorten sind. Was ist aber mit solchen Sätzen, die zwar prüfbar sind (im
Gegensatz zu grammatischen Sätzen), deren Gegenteil also durchaus denkbar ist, ihre
Widerlegung aber nicht notwendig zu ihrer Aufgabe führen muss? Dieser Vortrag wird
dafür argumentieren, dass ethische Grundbegriffe wie Verantwortung oder Menschenwürde
zu einer besonderen Art innerhalb der Wittgensteinschen Mythologie gehören.

Keywords


philosophy; 20th century philosophy; Wittgenstein Ludwig; ethics; morality; mythology; language; epistemology; certainty; grammatical sentences; doubt; grammar

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