Aspekte philosophischer und religiöser Gewißheit bei Ludwig Wittgenstein

Ilse Somavilla

Abstract



In diesem Beitrag sollen Wittgensteins Reflexionen über philosophische und religiöse
Gewißheit einander gegenübergestellt werden. Ausgehend von seiner Auseinandersetzung
mit G.E. Moore's Verteidigung des sogenannten "common sense", untersucht Wittgenstein
in zahlreichen Beispielen, inwiefern eine Äußerung wie "Ich weiß" als Wissen
betrachtet werden kann. Dabei kommt er zu dem Schluß, daß Äußerungen solcherart im
alltäglichen Sprachgebrauch als "Gewißheiten" akzeptiert werden können, die auf
Erfahrungen, Annahmen und dergl. beruhen. Im Rahmen eines philosophischen Disputes
erfordert ein Wissen objektiven Wahrheitsanspruchs jedoch eine exakte Begründung.

Trotzdem betont Wittgenstein, daß der Zweifel irgendwann zu einem Ende kommen müsse,
da Sprachspiele nur auf der Basis von Sicherheit, nicht auf der von Unsicherheit
möglich sind. In religiöser Hinsicht spricht Wittgenstein von einem ähnlichen Gefühl
der Sicherheit, das zwar rational nicht faßbar oder begründbar ist, sondern vielmehr
von Gnade abhängig. Es läßt sich allenfalls anhand von persönlich erlebten
Erfahrungen beschreiben, wie Wittgenstein in seinem Vortrag über Ethik darstellt. Das
darin angeführte Beispiel absoluter Sicherheit ist eine Art mystische Erfahrung, kann
jedoch, wie alle ethischen und religiösen Erfahrungen, nicht sinnvoll ausgedrückt
werden.

Keywords


philosophy; 20th century philosophy; Wittgenstein Ludwig; limit of language; skepticism; religious belief; form of life

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