Metaphysik und moralische Verbindlichkeit: Bemerkungen zum Begriff des Ethischen beim frühen Wittgenstein

Heiner F. Klemme

Abstract



Der Tractatus logico-philosophicus ist, wie Wittgenstein Bertrand Russell im August
1919 brieflich1 mitteilt, dem Kardinalproblem der Philosophie gewidmet, nämlich dem
Unterschied zwischen dem, was durch Sprache gesagt und somit gedacht werden kann, und
dem, was sich bloß zeigen läßt. Wittgenstein will im Tractatus nachweisen, daß
dasjenige, was nicht gesagt, aber immerhin gezeigt werden kann, zwar sinnlos ist,
aber nicht unwichtig sein muß. Sinnvolle Sätze sind Sätze der Naturwissenschaft, mit
denen wir sagen, wie die Welt ist, also was der Fall ist. Bei allen anderen Sätzen
handelt es sich demnach um Äußerungen, (a) die bloß sinnlos sind, (b) die sinnlos
sind, aber etwas zeigen, oder (c) die sinnlos sind, aber etwas zeigen und zudem
wichtig sind. Wittgensteins Interesse gilt selbstverständlich nicht den
trivialerweise sinnlosen sprachlichen Äußerungen, die gegen die Logik sprachförmiger
Sätze verstoßen. Seine Aufmerksamkeit richtet sich auf diejenigen sinnlosen Sätze,
die etwas zeigen.

Keywords


philosophy; 20th century philosophy; Wittgenstein Ludwig; ethics; mysticism; obligation; metaphysics; community; politics

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